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 Montag, 17. Januar 2022
  MARKET TRENDS 

Die neuen digitalen Nomaden und die Work Hospitality: von einem Traum für wenige zu einem touristischen Trend, der verstanden und gedeutet werden muss 

 Maria Antonietta Tortola, Redaktion Guest Magazine


Wenn für unsere Eltern die “Stechuhr” ein Leben lang Pflicht war, so haben wir dasselbe angestrebt, um unsere Rente sicherzustellen, nach Jahren, die wir in U-Bahnen, überfüllten Bussen, auf grauen Schreibtischen verbrachten, deren einziger Farbtupfer das Foto unserer Liebsten und das extravagante Briefpapier war, während jedoch unsere unsere Kinder - aber nicht nur sie – beschlossen haben, es in ihrem beruflichen und privaten Leben ganz anders zu machen. Heben Sie Ihre Hand, falls Sie noch nie davon geträumt haben, an einem traumhaften Strand oder auf einem Berggipfel zu arbeiten und die Aussicht zu geniessen, die nur Mutter Natur uns bieten kann! Nun gibt es eben Kategorien von Arbeitnehmern/-innen, die sich dies heutzutage leisten können: die digitalen Nomaden.

Wer sind die digitalen Nomaden?

Es handelt sich um Fernarbeitskräfte, die nicht von zu Hause aus arbeiten, sondern entweder von einem anderen Land aus oder jedenfalls von Zeit zu Zeit an andere Orte ziehen und versuchen, jeden Punkt der Erde zu "erreichen". Es handelt sich um eine ganz spezifische Berufswahl, die sich aus dem Wunsch nach Freiheit, Experimentierfreude und Autonomie ergibt und aus der Absicht,  Kreativität auf eine andere Art und Weise zum Ausdruck zu bringen. Ein digitaler Nomade ist jemand, der bei seiner Lebensplanung von diesen Prioritäten ausgeht und die Technologie und das Internet nutzt, um genau dort zu arbeiten, wo er in einem bestimmten Moment sein möchte.

Wie wird man ein digitaler Nomade?

Neben einer besonderen Veranlagung (und dem Drang) Standort zu wechseln, muss man sich vorher mit seiner eigenen Geschichte und seinen Neigungen auseinandersetzen. Zum Beispiel: Was kann ich tun? Worin bin ich gut? Kann ich meine Leidenschaft zum Beruf machen? Gibt es einen Markt, der meine Fähigkeiten brauchen könnte? Schließlich ist der digitale Nomade jemand, der womöglich von einem paradiesischen Strand aus arbeitet aber jedenfalls ein Gehalt braucht.

Eine neue Art, Geschäftsturismus zu betreiben?

Abgesehen von den Aktivitäten, die ein digitaler Nomade ausübt, müssen wir uns darauf fokussieren, dass es sich hierbei in jeder Hinsicht um einen neuen Tourismusmarkt handelt, der nicht mit dem Geschäftsmarkt zu identifizieren ist. Aufgrund der gewählten Lebensform, ist der Aspekt der Freizeit für den digitalen Nomaden von Bedeutung. Während er arbeitet, möchte er das von ihm gewählte Reiseziel genießen, Erfahrungen sammeln und vor allem im Hotel oder in der Struktur, die er als Unterkunft gewählt hat, verschiedene Serviceleistungen in Anspruch nehmen.   

Wie kann dieser Markt angesprochen werden?

Das Gebot der Stunde ist bestimmt das Wi-Fi. Wir haben (leider) in allen Bereichen Erfahrungen mit der Telearbeit gemacht. Und in allen Bereichen haben wir festgestellt, dass eine unzuverlässige Internetverbindung die größte Einschränkung darstellt. Umso mehr wenn wir über touristische Einrichtungen sprechen, ist Wi-Fi das "Kreuz" der meisten. In diesem Sinne ist das erste was ein Hotel tun muss, um den touristischen Markt der digitalen Nomaden anzusprechen, eine leistungsfähigere Verbindung zu schaffen als jene, die im Durchschnitt von den Einrichtungen geboten wird. Besser wenn es sich um eine dedizierte Linie handelt. Natürlich sind diese Fachleute immer selbst mit Bridge Anschlüssen ausgestattet, aber es wäre vorteilhaft, dass sich die Beherbergungsbetriebe ihren Bedürfnissen anpassen, um wettbewerbsfähiger zu sein. 

Auch die Vermarktung der Zimmer und Serviceleistungen muss einer bestimmten Logik folgen. Wöchentliche, monatliche oder sogar jährliche Pakete können für Geschäftsreisende attraktiver sein. Ebenso kann es interessant sein, Tages- oder sogar Stundentarife für diejenigen anzubieten, die sich nur sehr kurz an einem bestimmten Ort aufhalten müssen. Das zweite Schlüsselwort ist also eindeutig "Flexibilität". Sie dürfen auch nicht glauben, dass der digitale Nomade die ganze Zeit am Strand oder im Wald arbeitet. In Wirklichkeit ist dies nicht häufig der Fall. Daher sind die Serviceleistungen, die ein Hotel für diese Art von Kunden anbieten kann, von grundlegender Bedeutung. Nicht nur Besprechungsräume, um eventuelle Kunden zu treffen, oder Coworking Spaces, sondern auch Zimmer-Service: ein Schreibtisch, ein ergonomischer Stuhl oder sogar eine Kaffeemaschine mit einigen Snacks können einen echten Unterschied ausmachen.

Auch die Reiseziele müssen ihren Beitrag leisten

Hinzu kommt, dass auch die Reiseziele ihren Teil dazu beitragen müssen. In der Tat tragen sie eine große Verantwortung dafür, die Mobilität der digitalen Nomaden zu verinfachen, indem sie beispielsweise spezielle Visa ausstellen, aber auch Steuererleichterungen anbieten.

Digitale Nomaden streben jedoch nicht nur danach, auf den Malediven oder Bali zu arbeiten, so dass dieser Markt auch für kleinere Reiseziele eine große Chance darstellen könnte. Vorausgesetzt, sie stellen sich darauf ein und - wo der karibische Strand fehlt - unvergessliche Reise- und Unterkunftserlebnisse anbieten.

Alternative Unterkünfte vs. herkömmliche Hotelunterkünfte 

Aus einer ganzen Reihe von Gründen, allen voran der Preis, schneiden derzeit alternative Unterkünfte gegenüber den herkömmlichen, im Ringen um diesen Marktanteil, besser ab. Nicht zuletzt, weil sie oft über größere Räume verfügen - zum Beispiel die Küche -, die dem Berufstätigen noch mehr Freiheiten lassen und auch noch zusätzlichen "Komfort" bieten. Das Hotel- und Gaststättengewerbe muss sich jedoch weiterbilden und professionalisieren, um den neuen Herausforderungen, die der Tourismus bietet, gerecht zu werden. Eine hervorragende Gelegenheit ist Host B2B, die größte Community im Nicht-Hotelsektor, die hochrangige Fortbildungskonferenzen organisiert mit dem Ziel Fachleute der Branche weiter zu schulen.

Zusammenfassend  

Soweit stellt sich die Frage: Ist es für ein Hotel sinnvoll Investitionen zu tätigen, um diese spezifische Nachfrage abzufangen? Derzeit gibt es etwa 5 Millionen digitale Nomaden, und der Trend ist steigend.  Das Geschäftsvolumen ist also noch nicht so groß, dass sich ein Hotel ausschließlich dieser Art von Markt "widmen" sollte. Einen kleinen Teil Ihres Unternehmens den digitalen Nomaden zu widmen, kann jedoch durchaus Vorteile bringen.